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Kamille – Duft der Kindheit

Kamille

Wer kennt sie nicht – die Bilder aus seiner Kindheit, als die sorgende Mutter den dampfenden Kamillentee ans Bett brachte, wenn Bauchweh und Magenschmerzen plagten. Der milde Geruch, die wohltuende Wärme, die nachlassenden Schmerzen – angenehme Erninnerungen an ein einfaches Hausmittel, das vielen in dieser Form schon geholfen hat. Doch nicht nur als „Bauchwehtee“ entfaltet die echte Kamille ihre wohltuende Wirkung, die vielfältige Wirksamkeit ist nicht einmal von wissenschaftlicher Seite umstritten, so wie es bei einigen anderen Heilpflanzen der Fall ist.

Ägyptische, arabische, babylonische, griechische und römische Heilkundige – sie alle verwendeten die Kamille in der gleichen Form, wie wir es heute noch tun. Der lateinische Gattungsname Matricaria weist auf das wichtigste Anwendungsgebiet, das Wochenbett hin (matrix bedeutet lat. Gebärmutter). Säuglinge und Kleinkinder wurden und werden damit behandelt, denn Kamille wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend, blähungslindernd und desinfizierend. Kamille hilft Babys bei Bauchkrämpfen, nimmt die Schmerzen beim Zahnen und heilt wunde Haut. Welche Mutter und welcher Vater wollte da wohl auf die Heilkraft der echten Kamille verzichten?

Aufgrund chemisch pharmakologischer Analysen ist der Hauptwirkstoff der Kamille heute bekannt: Das tiefblaue Chamazulenöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen und hat eine beruhigende, krampflösende und schmerzstillende Wirkung. Weitere wichtige Hilfsstoffe, wie Flavone, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Cumarin weisen auf die entzündungshemmende Wirkung, vor allem für Magen und Darm, weil sie den Heilungsprozess der entzündeten Schleimhaut, aber auch der Haut im Allgemeinen unterstützen. Deshalb wird Kamille in Form von Cremen auch gern bei entzündeten Ekzemen, bei Akne, Flechten, Geschwüren und Hautverletzungen eingesetzt.

Das Verdampfen des ätherischen Öles hilft bei Reizbarkeit, Unruhe, Koliken, unruhigem Schlaf und bei Schwangerschaftsbeschwerden. Hier kommt vor allem die beruhigende Wirkung der Kamille zum Tragen. Die Heilkraft des ätherischen Öles verdoppelt sich, wenn die Kamillenblüten in der Mittagssonne geerntet werden, weiß die bekannte Buchautorin und „Kräuterfee“ Maria Treben. Die Blüten müssen sodann sehr sorgfältig in dünnen Lagen an einem schattigen, luftigen Ort getrocknet werden. Von alters her wurde Kamille als Tee auch bei Infektionskrankheiten eingesetzt und man beobachtete, dass die Patienten sich rasch erholten. Nun wurde auch durch wissenschaftliche Untersucheungen von Doz. Kienholz an der Universität Gießen bestätigt, dass die Kamille tatsächlich in der Lage ist, Bakteriengifte unschädlich zu machen, beispielsweise das Gift der Staphylo- und Streptokokken.

Kamillenblüten sind darüber hinaus aber auch ein wunderbares Schönheitsmittel. Sie reinigen und beruhigen empfindliche, trockene und spröde Haut. Und wer kennt nicht den alten Trick, ohne Chemie blondes Haar aufzuhellen? Einfach nach dem Waschen mit einer Kamillenteelösung das Haar spülen!

Kamille als Universalmittel – darin besteht aber auch eine Gefahr, denn das führt oft zu falscher Anwendung. Aber keine Heilpflanze kann gegen alle Beschwerden helfen! Nützt man ihre vier Hauptwirkungen – die entzündungshemmende, die krampflösende, die beruhigende und die blähungslindernde Eigenschaft – so wird man von der „Wunderpflanze“ Kamille auf keinen Fall enttäuscht werden.

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